Der schwierige Hund

Verhaltensprobleme umfassen ein großes Gebiet.

Aggressionsprobleme stehen an erster Stelle. Dabei sollte bereits bei den ersten Anzeichen für ein Aggressionsproblem ein Verhaltensspezialist aufgesucht werden. Solche Anzeichen sind zum Beispiel knurren, Zähnefletschen, aggressives Hochspringen am Gartenzaun, angespanntes Zugehen auf fremde Hunde oder Personen, aber auch Angst. Angst ist die häufigste Ursache für aggressives Verhalten.

Übermäßig ängstliche Hunde werden oft in der verhaltenstherapeutischen Sprechstunde vorgestellt, zum einen, weil den Besitzern ihr Tier Leid tut, zum anderen kann Angst das Zusammenleben erheblich beeinträchtigen, dann zum Beispiel, wenn ein Hund aus Angst das Haus nicht mehr verlässt, oder – wie im Fall von Trennungsangst – erhebliche Schäden anrichtet, das Haus eventuell häufig verunreinigt oder die Nachbarschaft mit lautem Winseln und Bellen vergrault.

Weitere Verhaltensprobleme sind mangelnder Gehorsam, fehlende Stubenreinheit, unerwünschtes Jagdverhalten, Überaktivität oder unakzeptables Sexualverhalten.

Manch einem Besitzer mag es unangenehm sein, einen Hund zu haben, der sich aggressiv gegenüber anderen Hunden, Personen oder gar gegenüber einem Mitglied der Familie verhält, der nicht allein zu Hause bleiben kann, sich nicht vor die Haustür wagt oder ein anderes unerwünschtes Verhalten zeigt. „Wie der Herr, so sei Gscherr“, „Kein Wunder, bei dem Besitzer“ und ähnliche Bemerkungen sind hier gar nicht so selten zu hören. Derartige Bemerkungen sind plakativ und spiegeln fehlenden Sachverstand wider! Tatsache ist nämlich, dass sich Besitzer von problematischen Hunden in ihrem Umgang mit dem Hund im Allgemeinen nicht wesentlich von Besitzern unauffälliger Hunde unterscheiden.

Jeder Hund bringt bestimmte Eigenschaften von Geburt an mit. Der eine ist sehr temperamentvoll, der andere eher ruhig, manche sind tendenziell ängstlich, andere extrem anhänglich und so weiter.

Wer einen Hund erworben hat, der sich all unseren Lebensbereichen und Ansprüchen ohne große Probleme anpasst, darf sich glücklich schätzen. Alle anderen, deren Erziehungsbemühungen weniger fruchtbar waren, müssen sich aber weder schlecht fühlen, noch verzweifeln. Auch schwierige Hunde können lernen, angenehme Mitbewohner zu werden.

In der Verhaltenstherapie wird mit dem Besitzer ein individuelles verhaltenstherapeutisches Programm erarbeitet, das im Allgemeinen Maßnahmen zur Reduzierung des unerwünschten Verhaltens und Trainingsmaßnahmen beinhaltet, um dem Hund ein erwünschtes Alternativverhalten beizubringen. Im Einzelfall kann es auch sinnvoll sein, das Training durch die Gabe von Medikamenten oder biologischen Heilmitteln zu unterstützen.